Lass dein kirchliches Krankenhaus checken: Wie hoch ist die Arbeitsbelastung?

Seit Jahren wird in den Krankenhäusern auf dem Rücken von Beschäftigten, Patientinnen und Patienten an Personal gespart. Wir haben uns aufgemacht, dem Pflegenotstand den Kampf anzusagen. Melde jetzt dein Team oder Station für den ver.di-Belastungscheck für kirchliche Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz und im Saarland an:

Der Belastungscheck

Gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft ver.di sind Krankenhausbeschäftigte in einer bundesweiten Bewegung für mehr Personal und Entlastung aktiv, um ihre Interessen gegenüber Politik und Arbeitgebern durchzusetzen. In den kommenden Wochen werden sich über 100 Krankenhäuser an Aktionen beteiligen und so Druck auf Arbeitgeber und die politischen Entscheidungsträger ausüben. Denn es muss endlich gesetzliche, verbindliche und bundesweit einheitliche Vorgaben für mehr Personal im Krankenhaus geben.

Auch in den kirchlichen Krankenhäusern haben sich die Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren stark verändert. Alles deutet darauf hin, dass sich die Arbeitsbelastung hier nicht von weltlichen Krankenhäusern unterscheidet.

Unser Druck hat bereits bewirkt, dass ein Gesetz auf den Weg gebracht wurde. Bundesgesundheitsminister Gröhe will Personaluntergrenzen einführen, allerdings nicht für alle Pflegebereiche. Einen Vorschlag dafür sollen nun die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DGK) und die Krankenkassen erarbeiten. Wir denken, dass hier die Falschen gefragt werden. Klinikleitungen und Krankenkassen haben wirtschaftliche Eigeninteressen. Wir finden: Die Politik soll selbst Verantwortung übernehmen und Untergrenzen für alle Bereiche in der Pflege festlegen. Wir Pflegekräfte sind Expertinnen und Experten. Wir müssen der Politik zeigen, wie viele Kolleginnen und Kollegen notwendig sind, um eine gute Patientenversorgung sicherzustellen, ohne dass die Überlastung am Arbeitsplatz unsere eigene Gesundheit gefährdet.

Wie aber ist die Arbeitsbelastung in kirchlichen Krankenhäusern und wo gibt es Verbesserungsbedarf? Das wollen wir jetzt gemeinsam herausfinden – jetzt, wo die Pflege bundesweit aufsteht, um Verbesserungen durchzusetzen.

Lasst uns gemeinsam in den nächsten Wochen unsere Erfahrungen im Stationsalltag und vor allem unsere Forderungen nach guter Pflegearbeit zusammentragen. Wir wollen Menschlichkeit und Wertschätzung wieder in den Mittelpunkt rücken. Jetzt ist der Zeitpunkt, uns zusammenzuschließen und für gute Pflege aufzustehen.

3 Gründe sich jetzt zu organisieren

Häufig gestellte Fragen

1. Warum ist ver.di in den Krankenhäusern des Marienhaus-Konzerns aktiv?

Die Pflege braucht Entlastung. Deshalb ist die Gesundheitsgewerkschaft ver.di hartnäckig im Einsatz für mehr Personal und Entlastung. Die Situation ist in konfessionellen Krankenhäusern und in den Marienhauskliniken nicht besser als bei in öffentlichen Trägern oder bei privaten Gesundheitskonzernen. 30 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland sind kirchlich. Nur wenn sich auch die Beschäftigten aus diesen konfessionellen Häusern für mehr Personal und Entlastung einsetzen, können wir grundlegende Verbesserungen durchsetzen. Und das ist dringend notwendig.

Patientinnen und Patienten brauchen eine gute und sichere Pflege und Versorgung und Beschäftigte brauchen Entlastung, damit sie nicht selbst krank werden und bis zum Rentenalter ihrem Beruf nachgehen können. Deswegen haben sich in den letzten Monaten viele Kolleginnen und Kollegen aus den Marienhauskliniken bei ver.di organisiert und sind aktiv geworden. Deswegen kam es im April 2017 erstmals zu Gesprächen zwischen ver.di und Marienhaus über Entlastung. Was in dem Schreiben der Geschäftsführung und der MAV versäumt wurde, zu erwähnen. Leider wurden diese Gespräche vom Arbeitgeber für beendet erklärt – ohne Ergebnis. Wir wollen diese Gespräche wieder aufnehmen, um zu einer verbindlichen Vereinbarung über Entlastung zu kommen.

2. Wird das nicht im „Dritten Weg“ zwischen MAV und Arbeitgeber geregelt?

Wir würden es begrüßen, wenn in der „Arbeitsrechtlichen Kommission“ (AK) wirksame Entlastung für die Pflege beschlossen würde. Uns sind dazu keine Initiativen bekannt. Wir sichern allen Kolleginnen und Kollegen der MAVen in der AK, die sich dafür einsetzen, unsere Unterstützung zu.

Machen wir uns nichts vor, genauso wie in öffentlichen oder privaten Kliniken gibt es auch in konfessionellen Einrichtungen unterschiedliche Interessen zwischen Klinikleitung und Pflegekräften. Nur wenn wir uns organisieren, Grenzen setzen und uns Respekt verschaffen, wird sich etwas bewegen.

Dass das geht, haben die Kolleginnen und Kollegen im Marienkrankenhaus Ottweiler gezeigt: dort hat sich die Mehrheit der Pflegekräfte in ver.di organisiert und ist sehr entschieden aufgetreten. Das hat bewirkt, dass es zum ersten Mal Gespräche zwischen ver.di und Marienhaus über Entlastung gab.

3. Darf die Gewerkschaft ver.di in katholischen Krankenhäusern zum Streik aufrufen?

Ja. Um es gleich klarzustellen, grundsätzlich ist Streik für Gewerkschaften das letzte Mittel, wenn die Arbeitgeber uneinsichtig sind. Und wird es doch einmal notwendig, dann kommt bei Streiks im Gesundheits- und Sozialwesen niemand zu Schaden. Das ist für gewerkschaftlich organisierte Krankenhausbeschäftigte selbstverständlich.

Kirchen beanspruchen für sich ein besonderes Arbeitsrecht.  Doch das im Grundgesetz verankerte Streikrecht darf man Beschäftigten nicht nehmen. Dieses kann bei der aktuellen innerkirchlichen Organisation weder durch besondere Arbeitsverträge, noch durch das spezielle Kirchenrecht eingeschränkt werden. Das bestätigten auch das Bundesarbeitsgericht und das Bundesverfassungsgericht.

4. Unser erster Schritt: der Belastungscheck in kirchlichen Betrieben

Wie genau geht es jetzt weiter? In den nächsten Wochen wollen wir in allen Marienkrankenhäusern den großen „Belastungscheck“ machen. Diese Mitarbeiterbefragung haben wir in privaten und öffentlichen Kliniken bereits durchgeführt. Jetzt wollen wir wissen: wie sieht es in kirchlichen Betrieben aus? Das Ergebnis werten wir aus und gehen auf den Arbeitgeber, den zuständigen Bischof und die Politik zu, um darüber sprechen, wie Lösungen aussehen.

Gleichzeitig müssen wir stärker werden, um Entlastung durchsetzen zu können. Darum bieten wir allen Mitgliedern der Mitarbeitervertretungen und allen Kolleginnen und Kollegen auf den Stationen an, sich gemeinsam mit uns für mehr Personal und Entlastung stark zu machen. Gerne auf allen Wegen.